Kasnevitzer Dorfgeschichten

„Wie ein Ort geadelt wird, wenn jemand seine Geschichte in Geschichten erzählt.“

Jacob Knapp, Berlin

Ein Kirchturm und 2 Schwestern – Kasnevitzer Dorfgeschichten
150 Episoden aus 7 Jahrhunderten
von Reinhard Piechocki und Katrin Eigenfeld,
erschienen im Juni 2021,
gedruckt bei Rügen-Druck Putbus;



Vorwort

Kasnevitz ist eines der 27 mittelalterlichen Kirchdörfer auf Rügen. Der Ort erscheint auf den ersten Blick unspektakulär, ein langgestrecktes Straßendorf mit einer Kirche, umgeben von Ackerlandschaft. In Vorbereitung auf das 700-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung von Kasnevitz im Jahre 1306 hatten wir Daten und Begebenheiten der Dorfgeschichte in einer kleinen Chronik zusammengestellt.

Dabei wurde offenbar, in welch vielfältiger Weise der Ort mit der Geschichte der Insel Rügen verbunden ist. Und so zeigte sich auf den zweiten Blick, wie sich in diesem einen Kirchdorf Landschaft, Bewohner und Geschichte Rügens spiegeln und wie selbst ein Hauch europäischer Geschichte immer mal wieder auch Kasnevitz berührt hat. Mit dem Ausbau des ehemaligen Feuerwehr-Gerätehauses am Dorfplatz zu einem Dorfgemeinschaftshaus entstand 2020 die Idee einer Neuauflage der Chronik. Katrin Eigenfeld hat über die Jahre weiteres Material gesammelt und Reinhard Piechocki hat in zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen eine Vielzahl erlebter Geschichten der vergangenen 80 Jahre zusammengetragen. Darunter Lustiges und Kurioses, aber auch Leidvolles und Tragisches. Mehrere Ereignisse des vorigen Jahrhunderts haben tiefe Spuren im Gedächtnis und in den Seelen der Menschen hinterlassen – zwei Weltkriege, Nationalsozialismus, 40 Jahre DDR. Auf Euphorie und Freude über die Wiedervereinigung 1990 folgte bei manch einem Ernüchterung über Verlust von Arbeit und Sicherheit. Aber es gibt vor allem bemerkenswerte Einzelinitiativen und erstaunliche Erfolgsgeschichten.

Die derzeit jüngste Erfolgsgeschichte ist das Dorfgemeinschaftshaus, zu dessen Eröffnung im Juni die neue Chronik vorgestellt wird. Sie schließt alle Dörfer der ehemaligen Gemeinde Kasnevitz ein, von Kransevitz und Ketelshagen bis Altkamp, von Krakvitz bis Dumgenevitz, von Glowitz und Neukamp bis Lanschvitz, Krimvitz und Strachtitz.

Sie werden im ersten Teil des Buches in ihrer jeweiligen Eigenart und Besonderheit kurz beschrieben. Im zweiten Teil werden über 140 Episoden aus sieben Jahrhunderten erzählt, chronologisch gegliedert in neun Kapitel vom Kirchenbau im Mittelalter bis zu den „Einbrüchen-Umbrüchen-Aufbrüchen“ der Neuzeit. Und im dritten Teil werden in Stichworten von A bis Z einzelne Themen abgehandelt, die Beziehung zu Kasnevitz und seinen umliegenden Dörfern ausweisen.

Die Wandlung des alten Feuerwehr-Gerätehauses zum architektonischen Kleinod des Dorfgemeinschaftshauses schafft völlig neue Möglichkeiten der Begegnung und Geselligkeit, des Miteinander und des Gemeinwohls, der Ortsverbundenheit und der Ausstrahlung nach außen. Das Mitwirken vieler Einwohner, Alteingesessener als auch neu Hinzugezogener, an den Kasnevitzer Dorfgeschichten ist Ausdruck der Wiederbesinnung auf den Wert und die Bedeutung von Gemeinschaft. Mit diesem Buch wird die Geschichte durch Geschichten lebendig, spannend und unterhaltsam erzählt.

Es sei allen gedankt, die sich geöffnet und ihre Geschichten erzählt haben. Besonderer Dank gilt Reinhard Piechocki und Katrin Eigenfeld, die in monatelanger Arbeit dieses Werk vollbracht haben. Vielleicht regt es ja ähnliche Arbeiten in anderen Orten auf Rügen an. Was es mit dem Kirchtum und den zwei Schwestern auf sich hat, lesen Sie am besten selbst.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Hans Dieter Knapp, Vorsitzender von INSULA RUGIA e.V.