Wald

02. April 2018

Wertvoller Ökowald oder Kahlschlag?

Am 13. Februar 2018 erschien in der Ostseezeitung – Ausgaben Rügen und Stralsund – ein Beitrag zur Umgestaltung des Waldes in Mönkvitz bei Drechvitz. Dieser Beitrag, der aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlicht werden kann, muss bei allen Freunden des rügener Waldes Unverständnis und Kritik aus-lösen.
Der Vorsitzende des Verbandes INSULA RUGIA e.V. hat als Reaktion auf diesen Beitrag folgende Stellungnahme an die örtlichen Medien geleitet:

Wertvoller Ökowald oder Kahlschlag?“ Es ist nicht zu fassen. Da wird ein märchenhaft schöner Wald aus alten Buchen und Eichen zu Holz gemacht, ein paar Bäume werden stehen gelassen, damit der Schein der Rechtmäßigkeit gewahrt bleibt. Faktisch kommt es jedoch einem Kahlschlag gleich. Der alte Wald verwüstet, der Boden von schweren Maschinen zerwühlt und für Jahre geschädigt. Aber Fortsamt und Naturschutzbehörde sprechen „von einem im Entstehen befindlichen ökologisch wertvollen Mittelwald“. 3000 Bäume sind nachgepflanzt worden, vor allem „Saalweiden, Schwarzpappeln und Flatterulmen, die machen die Zukunft des Waldes aus“. Und natürlich ist der Horstbaum des Mäusebussards „in enger Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde beachtet“ worden. Und der Gipfel: Die Waldverwüstung und nachfolgende Anlage einer Kurzumtriebsplantage, die als historischer („schon im Mittelalter ein bekanntes Forstsystem“), seltener („nur noch 1 Prozent der Waldfläche in Deutschland“), modellhafter („ein in Mecklenburg-Vorpommern einmaliges Vorhaben“) Mittelwald verbrämt wird, erhält Ökopunkte gutgeschrieben und wird als Ausgleichsmaßnahme für künftige Eingriffe deklariert. Das ist an Scheinheiligkeit nicht zu ber-bieten und erinnert an mittelalterlichen Ablasshandel, der vor 500 Jahren zum entscheidenden Anstoß und Auslöser der Reformation wurde.
Die derzeitige Praxis des Umgangs mit Wald ist schlicht ein Skandal. Wohin man schaut, es wird brutal geholzt. Hier wird die Waldverwüstung als Schaffung eines „wertvollen Ökowaldes“ verbrämt und mit Ökopunkten honrierft, im Nationalpark und im Bergener Raddas als notwendige Verkehrssicherung rechtlich begründet und in Naturschutzgebieten als Pflegemaßnahme zur notwendigen Waldverjüngung forstfachlich gerechtfertigt. Und alles zusammen wird uns als „nachhaltig“ und „ökologisch wertvoll“ verkauft. Es ist unglaublich, mit welcher Dreistigkeit und Unverfrorenheit versucht wird, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Der hier praktizierte Umgang mit Wald hat weder etwas mit Naturschutz noch mit nachhaltiger Waldwirtschaft zu tun. Eine Reformation des Forstwesens erscheint dringend geboten. Zivielgesellschaftlicher Protest kann und sollte den Anstoß dazu geben.“

Zur Illustration des „Waldfrevels“ einige Fotos.

Naturschutzgebiet Granitz Naturschutzgebiet Granitz Naturschutzgebiet Granitz
Wald bei Mönkvitz Schmachter Wald Schmachter Wald
Raddas in Bergen Raddas in Bergen Raddas in Bergen