Malerlexikon – C: Carus, Carl Gustav

MENUMENU

Carus, Carl Gustav geb. 3.1.1789 Leipzig gest. 28.7.1869 Dresden
Sohn eines Färbereibesitzers. Bereits vor seiner Schulzeit Zeichenunterricht bei dem Maler Julius Athanasius DIETZ (1770-1843). 1801-1804 Besuch der berühmten Leipziger Thomanerschule. Im Haus des Verlagsbuchhändlers Georg Joachim GÖSCHEN (1752-1828) begegnet er als Jugendlicher Friedrich SCHILLER (1759-1805), Johann Gottfried SEUME (1763-1810) und den Zeichenlehrer Goethes, Adam Friedrich OESER (1717-1799). 1804-1806 Studium der Chemie, Physik und Botanik. 1806 Wechsel zum Medizinstudium; neben dem Studium Besuch der Zeichenakademie auf der Pleißenburg, die von Johann A. F. TISCHBEIN (1750-1812) von Veit H. SCHNORR (1764-1841) geleitet wurde. 1811 Promotion und Habilitation. 1813 Hochzeit mit Karoline, die ihm sechs Kinder gebiert. 1815 Professor für Geburtshilfe an der chirurgisch-medizinischen Akademie und Direktor des Königl. Sächs. Hebammeninstituts in Dresden. 1816 Beteiligung an Dresdner Kunstausstellungen mit 4 Gemälden. 1817 persönliche Bekanntschaft mit Caspar David FRIEDRICH*, der seinen Malstil und seine Auffassung prägte. 1818 „Lehrbuch der Zootomie“ mit zweihundert eigenhändig gezeichneten Abb. 1821 persönliche Bekanntschaft und Freundschaft mit Ludwig TIECK (1773-1853); Begegnung mit Johann W. v. GOETHE in Weimar. 1822 Mitbegründer der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. 1831 „Neun Briefe über Landschaftsmalerei“ mit einem Vorwort von Johann Wolfgang von GOETHE (1749-1832). 1833 Übernahme der Leitung des Dresdner Kunstvereins. 1846 erscheint sein psychologisches Hauptwerk „Psyche“. 1853 erscheint „Symbolik der menschlichen Gestalt“. 1862 Präsident der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie der Naturforscher. 1865 `Lebenserinnerungen.
Rügenaufenthalt: Der Maler, Arzt, Naturforscher und Philosoph Carl Gustav CARUS erwanderte Rügen im Jahre 1819 auf den Spuren seines älteren Freundes Caspar David FRIEDRICH. CARUS schrieb über die Hintergründe seiner Rügenreise: „Mein Freund war … im Jahre 1818 … in seiner Vaterstadt Greifswald gewesen und hatte auch die Insel Rügen wieder durchwandert und mannigfache Studien mitgebracht, welche mich nicht wenig ergriffen und sehr den Wunsch rege machten, diese Gegenden und namentlich das Meer selber kennenzulernen.
Das Gemälde „Eichen am Meer“ entstand fünfzehn Jahre nach seiner Rügenreise in Erinnerung an die beeindruckenden Baumskulpturen auf der Insel Vilm. CARUS war besonders von den riesigen, bizarr geformten Eichen und Buchen der Insel Vilm begeistert und berichtete davon in seinen 1855 erschienenen Lebenserinnerungen: „Ich traf eine uralte Eiche inmitten der Insel, sie war fast ganz abgestorben und die ungeheuren Äste streckten sich abgewettert und glänzend grau in die blaue Luft, aber statt der eigenen Blattfülle hatte sich nun ein gewaltiger Efeu hinein gerankt und umgab die fast verdorrte mit Behängen erneuten Leben.“ Was Cars mit seinem Gemälde „Eichen am Meer“ aussagen wollte, hat er selbst formuliert: „Gleich der Eiche, die auf der Küste eines verwilderten Hochlandes sich gerade am mächtigsten entwickelt, die nur hier in einer halben Wüste breithin schattend mit gewaltigen, herrlich geschwungenen Ästen durch Jahrhunderte hin herauf wächst, während ein ähnlicher Baum in schulgerecht angelegtem Forste gehegt, seinen von Querästen zeitig gesäuberten Stamm langweilig gerade hinauftreibt, um dereinst zum Legen von Eisenbahnschienen die trefflichsten Nutzhölzer zu liefern, verhält es sich mit der Entwicklung einer bedeutenden menschlichen Individualität“.
Rügenwerke: Mondnacht bei Rügen, um 1819 (Dresden, Staatl. Galerie alter Meister).- Hünengrab mit ruhendem Wanderer, 1819 Dresden?.- Brandung bei Rügen (Blick nach Arkona), 1819 (Galerie Neue Meister Dresden).- Eichen am Meer, 1834 (Dresden, Staatl. Kunstsammlung).- Alte Eiche auf dem Vilm, 1820, 32×25,8, Öl auf Papier (Pomm. Landesmuseum Greifswald).- Hünengrab im Mondschein, 1819 (Kopenhagen, Thorwaldsen Museum).- Erinnerung an eine bewaldete Ostseeinsel, um 1820 (Museum Stralsund).- Hünengrab mit auffliegender Eule, um 1820 (Rügen?) (Museum Stralsund).
Selbstzeugnisse: Lebenserinnerungen und Denkwürdigkeiten, Leipzig 1865/66.- Neun Briefe über Landschaftsmalerei (1815-1824) Dresden 1955.- Reise durch Deutschland, Italien und die Schweiz im Jahre 1835, Leipzig 1836.- Betrachtungen und Gedanken vor auserwählten Bildern der Dresdner Galerie, Dresden 1867.- Eine Rügenreise, Schwerin 1978
Ausstellungen: C. G. CARUS in mortis centenarium. Denkschrift und Ausstellungskatalog zum 100. Todestag. Dresden 1969.- Leipzig 1841.- Dresden 1969, 1989.- Schweinfurt 1970.- Dresdner ak. KA 1816-1843.- Berliner ak. KA 1834, 1838.-
Bibliographie: ThB Bd.5, 95, 1999. Boett Bd.I.1, 172, 1979.- Saur.- Lit.: O. Carus: Carl Gustav Carus in seinem Antlitz. Gotha 1936.- W. Genschorek: Carl Gustav Carus. S. Hirzel-Verl. Leipzig 1983.- W. Hentschel: Villa Cara. Die Geschichte des Dresdener Cars-Hauses. Dresden 1963.- W. Kloppe: Erinnerungen an Carl Gustav Carus 1789-1869. Berlin 1969.- M. Prause: Carl Gustav Carus – Leben und Werk. Berlin 1968.- R. Zaunick: Carl Gustav Carus, eine historisch-kritische Literaturschau, Dresden 1936.-