Kulturpreis 2013: Echtes Rügenprodukt und umtriebigen Kirchenmann geehrt

OZ, 29.04.2013
Putbus. Der Verband Insula Rugia ist mit dem Kulturpreis 2012 ausgezeichnet worden. Die Kulturstiftung Rügen würdigt damit jene Ehrenamtler, die seit nunmehr 20 Jahren das Rügen-Jahrbuch publizieren, ohne Honorar dafür zu bekommen. Den mit 1000 Euro dotierten Förderpreis erhielt der Altenkirchener Pastor Christian Ohm.

Freitagabend in der Orangerie zu Putbus: Etwa 40 Gäste haben im Ausstellungsraum Platz genommen. Laudator Frieder Jelen findet würdigende Worte für all jene, die das Rügen-Jahrbuch seit Jahren mit Intellekt, Herz und Seele füllen. Das Buch sei ein wahres Rügenprodukt und sei eine wahre Schatzgrube, sagt er.

1993 begann der Verband, diese Reihe unter dem Titel „Rügener Heimatkalender“ zu publizieren. Es sei damals die Wiederauferstehung des Heimatkalenders für den Kreis Rügen gewesen, der zum ersten Mal 1908 von Pastor Emil Steurich aus Groß Zicker herausgegeben worden ist, betont Jelen, der Gründungsvorsitzender des Verbands Insula Rugia war: „Da ist viel Geschichte drin. Einerseits stehen wir auf den Schultern der Alten, andererseits müssen wir dokumentieren, warum wir uns von manchen Traditionen getrennt haben und trennen. Kultur ist im weitesten Sinn die Gesamtheit unserer Bestrebungen.

Wir wenden uns mit Abscheu ab von jeglicher Unkultur, übrigens auch von einem falschen Verständnis von Heimat, das Fremdes hasst oder von billiger Heimattümelei, die Kitsch ist.“
So wurde aus dem Heimatkalender das „Rugia-Journal“ und vor zehn Jahren das „RUGIA Rügen-Jahrbuch“. Frieder Jelen dankt allen, die zum Werden und Wachsen dieses Almanachs beigetragen haben, die für „Wissenschaftlichkeit und Lesbarkeit, für Vielseitigkeit und Ausgewogenheit, für künstlerische Großzügigkeit und sprachliche Genauigkeit, für Rügener Eigenart und Weltläufigkeit“ in dieser Schriftenreihe gesorgt und somit „die Quadratur des Kreises“ gemeistert haben. Zu ihnen zählen u.a. Prof. Hans-Dieter Knapp, Volkmar Herre, Willy Kankel, Dr. Peter Meißner, Renate Schaarschuh und Dr. Christine Petrick.

Dann tritt der nächste Laudator ans Pult. Heiko Miraß würdigt einen jungen und kultivierten Mann, Jahrgang 1961, der ein echter Vorpommer und voller Ideen ist: Christian Ohm. Der Altenkirchener Pastor sei — stellvertretend für alle sich engagierenden kirchlichen Mitarbeiter — ein besonderer kultureller Impulsgeber in der Region. Mit dem Förderpreis wolle die Kulturstiftung Dank sagen für seine Ideen, die Arbeit, die Anregungen, den Geist und dafür, dass „Sie uns reicher, weltoffener und klüger gemacht haben“. Der Förderpreis solle Vorschub leisten und ihn aufmuntern, so weiter zu agieren, auch im Dialog der Kulturen und Religionen.

Christian Ohm gehöre zu jenen Pfarrerskindern seit Luther, die auffällig geworden sind, merkt Heiko Miraß an und nennt ein paar Namen: Telemann, Lessing, Hesse, Schinkel. Ohm, der kritische Geist, habe als gelernter Maurer mit Abitur in der DDR schließlich doch Theologie studieren dürfen. Er hat in der Obdachlosen-, Drogen- und Gefängnisseelsorge gearbeitet, ist Islambeauftragter der Landeskirche und würdiger Nachfolger von Kosegarten in Altenkirchen. Doch nicht dafür wurde er ausgezeichnet, sondern für sein Engagement beim Aufbau der Kultur- und Wegekirche Landow, die er mit einer Mischung aus Klassik, Jazz und Predigt zum Leben erweckt hat. Und für seine Leidenschaft, mit der er den Kirchen- und Musiksommer auf Nordrügen organisiert. „Was er dort auf die Beine stellt, ist unglaublich, ein niveauvolles und umfangreiches Programm, das seinesgleichen sucht“, so Heiko Miraß, der das mit einer „szenischen Lesung“ aus dem Programm 2011 unterstreicht. „Wenn wir mehr Ohms hätten, wäre Rügen ein kulturelles Mekka.“
Mit wenigen Worten bedankt sich der Pastor. Er habe den schönsten Beruf der Welt. „Als Gemeindepfarrer bleibt man aber geerdet, obwohl man manchmal — wie heute — auch ein bisschen schweben darf.“

Mit 2000 Euro dotiert
Die Kulturstiftung Rügen vergibt jährlich einen Kultur- und Förderpreis, mit dem hervorragende Leistungen lokaler Kunstschaffender oder Kulturprojekte gewürdigt werden. Der Kulturpreis ist mit 2000 Euro, der Förderpreis mit 1000 Euro dotiert. Zu den Kulturpreis-Trägern gehören unter anderen die Malerin und Grafikerin Gudrun Arnold, die Seebühne Hiddensee und der Diplom-Prähistoriker Peter Herfert. Förderpreise gingen an Birgit Schuster, Leiterin des Figurentheaters „Schnuppe“, die Musikschule Rügen sowie an den Künstler Sebastian Will und den Verein Lichtspiele Sassnitz e.V.

Holger Vonberg
Quelle: http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ruegen/Echtes-Ruegenprodukt-und-umtriebigen-Kirchenmann-geehrt